Diese geführten Touren sind mörderisch
Barcelona – auf den Spuren von [•REC]

Die in der Mockumentary „[•REC]“ gezeigten Ereignisse haben sich weder zugetragen, noch gibt es reale Vorbilder für diesen Horror-Streifen. Man kann aber das Casa Argelich, das Gebäude, in dem das als One-Block-Shot (Film, der nur an einem Schauplatz gedreht wurde), konzipierte Werk entstanden ist, besichtigen. Und zwar unter Bedingungen, die der Atmosphäre des Filmes recht nahekommen. Das Gebäude, das heute nur noch als Wohnhaus genutzt wird, befindet sich in der Rambla de Catalunya 34, in Barcelona. Wer also starke Nerven hat, dem sei die Teilnahme an dem nächtlichen Event empfohlen. Ebenso wie im Film sind die Fenster verhüllt, im Inneren wartet die eine oder andere unangenehme Überraschung, die von professionellen Schauspielern in Szene gesetzt werden; eine Führung im eigentlichen Sinne gibt es also nicht, die Teilnehmer sind die meiste Zeit auf sich allein gestellt. Weitere Infos und Buchung unter www.rec-andanza.es. Der Kostenbeitrag liegt bei 47 €, das Event wird in den Sprachen Spanisch, Englisch und Deutsch angeboten. Für den durchschnittlichen Ballermanntouristen ist auch eine zusätzliche Inszenierung in einfacher Sprache möglich.
Lissabon – auf den Spuren des Lisbon Rippers

Der Estripador de Lisboa, oder anglifiziert Lisbon Ripper, war ein typischer Nachahmungstäter des berühmten Londoner Vorbildes. Er war zwar nur von 1992 bis 1993 aktiv, ehe er offenbar die Lust verloren hatte (denn gefasst wurde er nie!), und er hat es auf nur drei Mordopfer gebracht. Diese waren allerdings brutal zugerichtet und erinnerten an Ritualmorde. Um auf seinen Spuren zu wandeln, muss man teilweise die Stadt verlassen. Aktiv war er in Póvoa de Santo Adrião (Gemeinde Odivelas, nordwestlich von Lissabon) und in Entrecampos im Bezirk Avenidas Novas im Zentrum der Stadt. Der Aktionsradius ist überschaubar: 6 bis 7 Kilometer Luftlinie, wofür man etwa 8 Kilometer mit dem Auto zurücklegen muss. Wegen des Nervenkitzels wird die geführte Tour nachts veranstaltet, dabei werden echte Tatortfotos herumgereicht. Kleiner Funfact am Rande: Alle drei Mordopfer hatten den Vornamen Maria getragen. Erst vor kurzem konnte die Identität des Täters geklärt werden: António Costa heißt er, und da die Morde nach portugiesischem Recht bereits 2008 verjährt sind, ist er weiterhin auf freiem Fuß. Die Führung nimmt er selbst vor, dabei wird er von Dolmetschern für Englisch und Deutsch begleitet. Sicher kann er die Führung mit der einen oder anderen bemerkenswerten Anekdote anreichern. Die Führung kostet pro Person 100 €, inklusive Selfie mit Costa. Will man es billiger haben, kann man auch einen No-Name-Führer buchen, dann kostet der Spaß nur 23 €. Weitere Infos und Buchung unter www.antonio-costa.pt. Die Billigvariante muss unter www.tralha.pt gebucht werden.
Paris – auf den Spuren Fantômas‘

Fantômas ist zwar „nur“ eine Romanfigur, einige seiner originellen wie grausamen Morde wurden aber von realen Taten inspiriert. Denken ältere Jahrgänge an Fantômas, fällt den meisten wahrscheinlich als erstes (und wohl auch einziges Sujet) die ins komödienhafte entschärfte Filmreihe „Fantomas“ mit Louis de Funés ein. Der Fantômas in den Romanen hatte mit dieser verniedlichten Version so gar nichts gemein; würde man die in den Romanvorlagen gezeigten Morde 1:1 filmisch umsetzen, bekämen die Filme auch heutzutage keine Jugendfreigabe, obwohl der Romanzyklus bereits zwischen 1911 und 1913 entstanden ist. Bei der nächtlichen Tour werden lediglich die Schauplätze bewandert; auf eine Nachstellung der grausamen Morde wird verzichtet – wahrscheinlich wäre die Angelegenheit einfach zu aufwendig und damit zu teuer. Doch allein die Schauplätze haben es in sich: So werden u. a. die Kanalisation und diverse Metro-Stationen bewandert, aber da geht noch mehr: Genau wie Fantômas, begeben sich die Teilnehmer auf die Dächer der Innenstadt. Der Eifelturm darf dabei auch nicht fehlen, ebenso stehen weitere markante Baudenkmäler auf dem Plan. Weitere Auskünfte erteilt Jeanne-Sophie Souvestre-Allain, die Urenkelin der beiden Romanautoren Pierre Souvestre und Marcel Allain, unter www.souvestre-allain.fr. Hier kann man auch eine Teilnahme an der geführten Tour buchen. Der Preis beträgt 30 €, die Führung ist nur in englischer oder französischer Sprache verfügbar.
London – auf den Spuren von Jack the Ripper

Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary Jane Kelly – diese Namen werden den meisten wahrscheinlich nicht viel sagen. Dafür ist ihr Mörder um so berühmter: Jack the Ripper. Bei den grausam zugerichteten Opfern handelt es sich um die so genannten „kanonischen fünf“, welche im Herbst des Jahres 1888 ihr Leben in den nächtlichen Straßen im Londoner East End aushauchten. Auf einer geführten nächtlichen Tour werden die Schauplätze der Massaker bewandert. Zwei Stunden dauert die Wanderung, die durch den Stadtteil Whitechapel führt. Gemeinsam mit einem erfahrenen Führer und Kenner der historischen Fakten werden die Straßen bewandert, die durch die grausamen Morde traurige Berühmtheit erlangt haben. Startpunkt der Wanderung ist der Westeingang des Altab Ali Parks in der Nähe der U-Bahn-Station ist Aldgate East. Die Route führt unter anderem über die White Church Lane und die Whitechapel High Street, den Spitalfields Market sowie der Petticoat Lane. Jeder Teilnehmer wird mit einem eigenen Headset ausgestattet, und die Tour ist auch in deutscher Sprache verfügbar. Die fundierten Informationen zu dem Fall werden mit authentischen Tatortfotos angereichert. Was einem aber erspart bleibt, ist der unschöne Anblick, zu denen Jack the Ripper seine Opfer arrangiert hatte. Gruselige Stimmung dürfte bei dieser besonderen Führung aber dennoch garantiert sein. Der Preis beträgt 24 £ (ca. 27,73 €) pro Teilnehmer. Anbieter: Evan Evans Tours, 258 Vauxhall Bridge Road, SW1V 1BS, London, UK.